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Gut, wenn Lean Management ohne Changemanagement funktioniert, oder?






„Werte ohne Verschwendung schaffen“ – dafür steht Lean Management und so mancher Manager scheint das wortwörtlich zu nehmen. Changemanagement scheint nämlich in den Lean Management Prozessen oftmals als eine solche Verschwendung angesehen zu werden. Ein fataler Denkfehler, denn wie soll Lean Management ohne Changemanagement überhaupt im Unternehmen etabliert werden?

Lean Management – gute Idee, schlecht umgesetzt

Es soll an dieser Stelle nicht abgestritten werden, dass im Dschungel der stetigen Umstrukturierungen das Changemanagement manchmal eher verwirrend als sinnvoll sein mag. Wenn dann die Unternehmensführung nach einer weiteren Veränderung ruft, dem „Lean Management“, hält sich die Begeisterung der verantwortlichen Führungskräfte, Qualitätsmanager sowie der betroffenen Mitarbeiter wenig überraschend in Grenzen. Dabei ist Lean Management schlicht gesagt eine wirklich gute Idee. Es rückt wieder in den Fokus, was viele Unternehmen mit verheerenden Folgen aus den Augen verloren haben: der Kunde. Schlussendlich bringt es schließlich dem Unternehmen reichlich wenig, wenn es die Prozesse hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit überoptimiert hat, während kein Kunde das Produkt oder die Dienstleistung kaufen möchte. Können Sie uns so weit folgen? Doch das ist nicht das einzige Argument für den Lean Management Ansatz: Konzentration auf die eigenen Stärken, kontinuierlicher Verbesserungsprozess, kundenorientierte Strukturen und ein Kulturwandel im Unternehmen mit dem Verständnis „Führung als Service am Mitarbeiter“ – das dürfte nicht nur für die Unternehmensführung attraktiv klingen, sondern auch für die Kunden und die Mitarbeiter, oder? 

Wenn wir uns also einig sind, dass Lean Management eine wirklich gute Idee ist, wieso gibt es dann immer noch diese verheerenden Mängel in der Umsetzung? Das Problem liegt nicht im Lean Management, sondern schlichtweg im Changemanagement. 

Lean Management muss von den Mitarbeitern mitgetragen werden

Versetzen Sie sich hierfür einmal in die Lage Ihrer Mitarbeiter: Wie viele Veränderungsprozesse wurden in den letzten Jahren in Ihrem Unternehmen umgesetzt? Wie fühlen sich Ihre Angestellten, wenn nun eine erneute Umstrukturierung angekündigt wird? Vermutlich sind sie genervt oder vielleicht sogar ängstlich um ihren Arbeitsplatz. Nur wenige Führungspersonen verstehen es leider bislang, die Mitarbeiter aktiv in Veränderungsprozesse einzubeziehen und dafür zu sorgen, dass diese das Changemanagement nicht nur akzeptieren, sondern sogar aktiv mittragen. Und wie geht das am besten? Indem Sie Ihre Angestellten nicht nur über das neue Lean Management im Unternehmen informieren, sondern sie davon überzeugen, sodass sie angstfrei in eine positive Zukunft blicken und die Vorteile der durchgeführten Veränderungen erkennen können. Eigentlich sollte dies beim Lean Management ein einfaches Unterfangen sein. So viel zur Utopie. Der Blick in die Realität sieht jedoch meist anders aus: Die Unternehmensführung bestimmt die Veränderungsprozesse, die Mitarbeiter erhalten die zur Einführung des Lean Managements notwendigen Schulungen, zeigen sich kooperativ und…

Es fehlt an Kontrollinstanzen, liebe Unternehmensführung!

…kehren in die alte Routine zurück. Klar, wenn hier niemand kontrolliert ob der „Change“ auch umgesetzt und Lean Management gelebt wird, wieso sollten dann bislang funktionierende Strukturen aufgelöst und verändert werden? Das ist nicht einmal böser Wille, sondern Routine ist schlichtweg menschlich. Jeder Mitarbeiter wird sich die Hände reiben, wenn der gefühlt tausendste „Change“ wieder einmal ohne die gefürchteten Veränderungen verpufft und er in die gewohnten Strukturen zurückkehren kann – Verschwendung hin oder her. Es liegt daher an Ihnen, liebe Unternehmensführung, Lean Management nachhaltig im Unternehmen einzuführen und dessen Umsetzung zu kontrollieren und einzufordern. Ohne Changemanagement werden sonst all Ihre fruchtlosen Bemühungen für ein professionelles 

Lean Management selbst zur Verschwendung.

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