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Horse Assisted Coaching: Das Pferd als Gerät




Horse Assisted Coaching… Das ist für mich das Unwort des Jahres, welches schon so einige hochgerollte Fußnägel bei mir verursacht hat. Nahezu jeder Coach bietet dieses Instrument seinen Kunden an. Mal mehr, mal weniger gut durchdacht.

Ich habe in den letzten Wochen den Angebotsmarkt beobachtet und 2 Strömungen im Pferdecoaching festgestellt. Auf der einen Seite sind die. die ihre Pferde als mystische, allwissende und nahezu gottgleiche Geschöpfe ansehen und überwiegend lachend und rätselhafte Gebete murmelnd um das Tier herumspringen. Auf der anderen Seite sind dann diese Trainer, die das Pferd hinter den Teilnehmern her schleifen lassen und sich dabei möglichst selbst am besten darstellen. Beides ist… Naja…. Falsch.

Horse Assisted Coaching basiert auf dem therapeutischen Reiten und der Bodenarbeit. Pferde haben als Therapiebegleiter schon wahre Wunder bei auffälligen oder beeinträchtigten Kindern und Erwachsenen bewirkt. Da ist es nachvollziehbar – sogar begrüßenswert -, dass Pferde auch bei der Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt werden. Sie können außerdem Führungsqualitäten verbessern, da die Teilnehmer auf ihre nonverbalen Führungseigenschaften (Überzeugungskraft, Körperhaltung, Selbstsicherheit, …) sensibilisiert werden. Dazu bedarf es aber einem Coach der sich mit der Materie Pferd auskennt. Dieser sollte möglicherweise eine bessere Ausbildung als 4-Stunden-„Die Pferdeprofis“-schauen aufweisen.

Bei der Suche nach so einem Coach trifft man auf außergewöhnliche Persönlichkeiten. Einige bieten ihre Seminare mit ihrem persönlichen „Seelenpferd“ an. Da werden dann 12 Teilnehmer auf ein Pferd losgelassen. Warum das Pferd bei der zweiten Hälfte der Teilnehmer stets gleich agiert? Auch Pferde haben so etwas wie Lernfähigkeit und suchen sich den Weg des geringsten Widerstands. Effektivität? Gegen Null.

Natürlich können Sie das besser machen! Buchen Sie sich einfach einen Lehrgang und lernen Sie in insgesamt 10 Stunden wie man mit 600 Kilogramm Fluchttier am Strick und einer Meute pferdeunerfahrenen Teilnehmern jede Menge Geld an einem Tag verdienen kann. Ich möchte Sie aber aus Erfahrung darauf aufmerksam machen, Ihre Versicherung im Vorhinein dahin zu überprüfen, ob fahrlässiges Verhalten mit abgedeckt ist. Nein, Pferde kann man nach so wenigen Stunden nicht „lesen lernen“ oder aufgrund ihrer Ohrausrichtung entlang des Magnetfeldes auf ihr situatives Gemüt schließen. Dazu bedarf es mehr als das Absitzen von (theoretischen) Vorträgen, denn für Pferde gibt es noch keine Bedienungsanleitung. Der Umgang mit dem Pferd birgt vielfache Risiken und Gefahren. Diese müssen minimiert werden, bevor es um die Effektivitätsbeurteilung eines solchen Trainings geht.

Liebe Trainer, bitte: Denken, Lernen, dann Handeln. Ich hoffe, meine Fußnägel wachsen wieder gesund nach.

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