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Horse Assisted Coaching: Wie dem Führungskräftecoach ein Strick aus der Führleine gedreht wird!






„Ich glaub, mich tritt ein Pferd“, wenn ich lese, was heutzutage unter dem Begriff „Horse Assisted Coaching“ vermarktet wird: 
Aber lassen Sie mich zunächst das Pferd von der richtigen Seite aufsatteln:
Woher kommt Horse Assisted Coaching?
Horse Assisted Coaching Methodik entstand aus Erkenntnissen des therapeutischen Reiten und der klassischen Bodenarbeit, wie sie in den Richtlininie Reiten und Fahren (gleichzusetzen mit einem Qualitätshandbuch und der ISO 9001) und in der „Reitvorschrift vom 18. August 1937 Heeres Dienstvorschrift 12“ zu finden sind. Ähnliche Ansätze hat auch der Heeresführer Xenophon schon in der antiken Reitweise angewendet.

Ich möchte mich nicht länger in grauer Theorie vergaloppieren, sondern Ihnen aufzeigen, was Horse Assisted Coaching aus meiner Sicht leisten kann, was es nicht ist und was Sie meines Erachtens auch nicht mit Pferden lernen oder coachen können:
Es geht beim Horse Assisted Coaching – wie ich es überzeugt und erfolgreich  praktiziere - um Führungsqualitäten und hierbei insbesondere um nonverbale Führungseigenschaften wie Haltung, Selbstbewusstsein und Überzeugungskraft.
Darum bedaure ich die Entwicklung des Horse Assisted Coaching als neuen Gag hin zur spirituellen Lebenshilfe sehr: Und wenn auch noch so viele geschäftstüchtige Coaches, Pferdebesitzer und esoterische Lebensberater auf den Zug aufspringen und ihren Teilnehmern die Geschichte vom Pferd in Kursangeboten vom pferdegestützten Selbstfindungstrip bis zur Paartherapie erzählen, muss man sich fragen, ob da nicht der Gaul mit Ihnen durchgeht:
Ein Pferd ist kein „Medium“ im spirituellen Sinne, kein Seelenverwandter für jeden Kursteilnehmer und kein Spiegel für unser Yin Yang. Zumindest blieben mir diese übersinnlichen Kräfte der Pferde in meiner jahrlangen, beruflichen Tätigkeit mit ihnen verborgen.

Möglicherweise finden diesen Zugang nur Menschen, die energetisiertes Wasser trinken, Ihre Leiden durch Handauflegen heilen und nach Feng Shui ihren Energiefluss harmonisiert haben.
Meine persönliche Meinung ist: Pferde sind keine Konfliktlöser. Pferde können Ihre Gehirnneuronen nicht auf Erfolg und ewigen Reichtum programmieren (NPL – auch gern mit Horse Assisted Coaching in Zusammenhang geschmissen). Pferde können nicht „reframen“ und Ihre Vergangenheit ungeschehen machen. Pferde können auch keine Probleme im Alltag oder in Ihrer Beziehung lösen. Pferde werden auch nicht mit Ihnen sprechen – weder direktiv noch nondirektiv.
Man soll ja schon Pferde kotzen gesehen haben, aber ich als langjährige Reiterin und Reitlehrerin, würde mich nicht auf ein solch hohes Ross wagen und Pferde psychologische, esoterische oder spirituelle Fähigkeiten zusprechen – ganz nebenbei gesagt, der Ursprung des Horse Assisted Coaching gibt mir dahingehend Recht und Xenophon würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass aus seinen Lehren eine Bewegung entstanden ist, die Pferde zur Geistheilung und zum „Channeling“ missbraucht.

Ein Pferd reagiert auf instinktive Weise und kann Ihnen aufzeigen, was Sie ausstrahlen und Ihre Wahrnehmung für Ihre nonverbale Kommunikation und Außenwirkung schärfen. Anhand des Horse Assisted Coaching können Sie sich selbst testen und lernen wann, wie und warum Sie Ihren „Mitarbeiter“ - im Kurs also Ihr Pferd – von sich überzeugen und ihn bzw. es effektiv „führen“ können. Pferde geben Ihnen ein direktes Feedback auf Körperhaltung und lassen sich – ähnlich wie Ihre Mitarbeiter erst dann führen,  wenn sie klare Kommunikation – durch Körperhaltung, Körperspannung und Willen - empfangen.

Mein Fazit: Ich möchte das Führungskräftecoaching, das in einer fundierten Kombination aus psychologischen Fakten und dem reaktiven Verhalten von Pferden nonverbale Kommunikationsfaktoren bewusst macht, ganz klar abgrenzen von dem Horse Assisted Coaching, das im übersinnlichen Bereich Lösungen für Probleme sucht, die wir ohne den Esoterik-Hype der letzten Jahre wahrscheinlich gar nicht hätten.

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