Samstag, 12. November 2016

Lean Management als gemeinsame Vision







Der Arbeitgeber für alle und alle für die Firma

Lean Management kann nur nach dem Musketier-Prinzip funktionieren. Wenn nicht alle Mitarbeiter mitgenommen werden und hinter dem Ziel Erfolgsoptimierung stehen, ist das Ganze von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Ohne eine gemeinsame Vision, die sowohl von den einzelnen Teamleitern als auch von der gesamten Belegschaft verinnerlicht und mit Begeisterung verfolgt wird, finden die unweigerlich auftretenden Störfaktoren immer wieder Einstiegspforten, um das Projekt torpedieren zu können. Wenn alle zusammen halten und in dieselbe Richtung marschieren, kann nichts und niemand sie aufhalten. Das gemeinsame Ziel, die Produktionskosten zu senken und Durchlaufzeiten zu minimieren, wird dann greifbar.

Lean Management als Unternehmensphilosophie
Jeder Einzelne auf dem gemeinsamen Marsch muss die Grundidee der Prozessoptimierung verstanden und sich damit identifiziert haben. Sonst könnte das Projekt auf halber Strecke scheitern. Denn Veränderungen machen den Menschen naturgemäß Angst. Deshalb funktioniert auch die Hälfte der anvisierten Change-Management-Prozesse im deutschsprachigen Raum nicht, wie die Change Management Studie 2008 von Capgemini Consulting zutage brachte. Das einzige Mittel gegen Angst vor nicht abschätzbaren Veränderungen ist die Kommunikation, sie wirkt wie ein Katalysator. Wenn die verantwortlichen Führungskräfte sie denn gekonnt einsetzen. Leider überschätzen sich die meisten Chefs auf diesem Gebiet aber maßlos, auch deshalb ist ein externer Lean Management Experte, der den Prozess kommunikativ und organisatorisch begleitet, von unschätzbarem Wert. Dieser kann nicht nur die Einführung und die Information der Mitarbeiter überwachen, sondern auch die Kontinuität der Maßnahmen und kommunikativen Aufgaben gewährleisten. Dieses Projekt ist nämlich keineswegs zeitlich begrenzt, sondern muss als Vision dauerhaft in die Hirne eingepflanzt werden, vom obersten Boss bis hin zum Hilfsarbeiter. Damit daraus eine Unternehmensphilosophie entstehen kann, die den Umgang mit den Regeln des Lean Management wie ein selbstverständliches Naturgesetz erscheinen lässt. So können alle auf Dauer von der Veränderung profitieren, die am Anfang noch so schwer gefallen ist. Mit diesem Ziel vor Augen vielleicht ein bisschen weniger schwer. Denn die Elemente des Lean Management sind sachlich leicht zu verstehen und ihr Sinn leuchtet auf Anhieb ein. Es geht um die Orientierung auf den Kunden und die Vermeidung von Verschwendung. Fehler sollen ausgeräumt und Prozesse synchronisiert werden. Weitere Ziele sind die Nivellierung der Produktion und die Standardisierung ihrer Prozesse. Es wird angestrebt, Anlagen zu optimieren und die Mitarbeiterkompetenz zu steigern. Insgesamt sollen die gesamten Abläufe im Betrieb kontinuierlich verbessert werden. Alles Dinge, die mit dem gesunden Menschenverstand leicht begreifbar sind, aber natürlich auch praktisch umgesetzt werden müssen. Dafür muss unmittelbar beim Mindset angesetzt werden, damit flexiblere Verhaltensweisen etabliert werden können.

Die Kontinuität wahren
Kontinuität zu erreichen ist keine reine Sachaufgabe. Hier gehört allzu Menschliches zur Herausforderung. Diese Herausforderung ist nur mit adäquater Kommunikation zu bewältigen, vor allem bei der Übermittlung negativer Wahrheiten. Ohne offene Kommunikationskultur, die mit dem Lean Management auf immer ins Unternehmen einzieht, werden die menschlich nachvollziehbaren Ängste der Mitarbeiter nicht besiegt. Denn wie der Rhetoriker weiß, zählt nicht nur das, was gesagt wird, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie es gesagt wird. Die emotionale Ebene spielt beim Thema Veränderung eine kardinale Rolle. Sie stellt einerseits die größte Gefahr für das Projekt dar, man kann sie  aber andererseits auch als Chance nutzen. Denn Kommunikation kann so viel mehr sein als reine Information. Beschwichtigung ruft in der Regel eher Unsicherheit hervor, als dass sie die Mitarbeiter beruhigt. Klare Wahrheiten tun da wesentlich bessere Dienste, weil sie Vertrauen schaffen. Das Projekt immer wieder auch aus der Perspektive der Mitarbeiter zu betrachten hilft, die emotionale Dynamik des Change-Prozesses zu verstehen. So entsteht Nachhaltigkeit, die Lean in einen selbstverständlichen Bestandteil der Arbeit transformieren kann.

Beispiel Verschwendung
Eines der elementarsten Ziele von Lean Management ist die Eliminierung von Verschwendung. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie viel eine kontinuierliche Umsetzung auf Dauer bringen kann. Denn es leuchtet jedem Mitarbeiter ein, dass Überproduktion oder Fehlproduktion unnötige Kosten verursachen. Auch die Zeitverschwendung in all ihren Ausprägungen ist ein negativer Kostenfaktor, wie jeder weiß. Zu lange Wege verursachen ebenfalls Kosten, die eigentlich vermeidbar wären. Unangemessene Mittel oder Verfahren hat bestimmt schon jeder Mitarbeiter mit ihren negativen Ergebnissen erlebt. Die Tatsache, dass schlechte Lagerplanung zu Mehrkosten führt, ist jedermann einsichtig. Darüber hinaus sind die optimale Einrichtung des Arbeitsplatzes und die Vermeidung von Ausschuss dazu angetan, Verschwendung zu verhindern. Werden all diese anschaulichen Beispiele so umorganisiert, dass auf Dauer wertgeschöpft anstatt verschwendet wird, können enorme Kosten eingespart und dem Unternehmen zu  mehr Gewinn verholfen werden. Solch einfache Zusammenhänge müssen entsprechend kommuniziert werden, damit die Mitarbeiter durch höhere Motivation davon profitieren können.

Haben es wirklich alle verstanden?
Diese Frage muss immer wieder gestellt werden. Ist die Vision tatsächlich in den Köpfen angekommen? Nur weil das Projekt kommuniziert wurde, müssen es nicht alle verstanden haben, wurden nicht automatisch alle vom Sinn des Prozesses überzeugt. Die von Anfang an Begeisterten machen nämlich in der Regel nur einen kleinen Teil der Belegschaft aus. Das Gros der Mitarbeiter reiht sich erfahrungsgemäß zunächst in die Fraktion der Skeptiker ein. Bei jedem Veränderungsprozess gibt es aber auch eine gewisse Anzahl von Totalverweigerern. Die konstruktive und eingehende Auseinandersetzung mit den beiden letztgenannten Gruppen birgt erfolgversprechende Chancen. Der dafür aufgebrachte Mehraufwand macht sich durch motivierte Mitarbeiter bezahlt. Denn erst wenn alle Musketiere die zu erwartenden Vorteile der Veränderung annehmen, werden auch alle gemeinsam für die gleiche Vision kämpfen. Jeder Mitarbeiter hat bereits Erfahrungen mit gescheiterten oder im Sande verlaufenden Projekten gemacht. Nur wer jetzt wirklich an das Lean Projekt glaubt, wird auch begeistert mitziehen. Dafür lohnt es sich, alle Energien zu mobilisieren, um jedem Einzelnen die Vision verständlich zu machen, damit er seine Akzeptanzschwelle überwinden und seine Denkweise bereitwillig ändern kann.

Besteht das Change Management den Praxistest?
Die Vorstellung einer ganzen Belegschaft an Musketieren, die begeistert füreinander und die Firma einstehen, klingt gut. Zunächst einmal ist das jedoch reine Theorie. Mit einer guten Theorie im Gepäck ist der Weg zum gezielten Handeln aber meist gar nicht mehr weit. Denn nichts ist ja so praktisch wie eine gute Theorie. Die Umsetzung in die Praxis fängt bestenfalls mit der theoretischen Begeisterung an, die von oben vorgelebt wird. Der Lean Manager hat nicht nur die Aufgabe, eine Methodik in die Tat umzusetzen, er muss auch bei den Beteiligten für sein Projekt werben. Nicht anders, als wenn er ein Produkt verkaufen wollte. Er muss Marketing für das Projekt und die damit verbundene Vision betreiben. Mit aller Emotionalität, die Werbung erfolgreich macht. Die Aufladung mit positiven Emotionen hat sich nicht nur in der Produktwerbung bewährt, sondern auch in der Durchsetzung von Lean Management. Die Emotionen kanalisieren die Idee in die Köpfe und Herzen der Beteiligten, sie wird so zum ganzheitlichen Ansatz. Betriebswirtschaftliche Methodik ist eben nicht alles, wenn es um die Menschen geht, ohne deren Mitwirkung ein Change Management Projekt nicht zum Erfolg geführt werden kann.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen