Donnerstag, 21. Juli 2016

Horse Assisted Coaching: Das Pferd als Gerät




Horse Assisted Coaching… Das ist für mich das Unwort des Jahres, welches schon so einige hochgerollte Fußnägel bei mir verursacht hat. Nahezu jeder Coach bietet dieses Instrument seinen Kunden an. Mal mehr, mal weniger gut durchdacht.

Ich habe in den letzten Wochen den Angebotsmarkt beobachtet und 2 Strömungen im Pferdecoaching festgestellt. Auf der einen Seite sind die. die ihre Pferde als mystische, allwissende und nahezu gottgleiche Geschöpfe ansehen und überwiegend lachend und rätselhafte Gebete murmelnd um das Tier herumspringen. Auf der anderen Seite sind dann diese Trainer, die das Pferd hinter den Teilnehmern her schleifen lassen und sich dabei möglichst selbst am besten darstellen. Beides ist… Naja…. Falsch.

Horse Assisted Coaching basiert auf dem therapeutischen Reiten und der Bodenarbeit. Pferde haben als Therapiebegleiter schon wahre Wunder bei auffälligen oder beeinträchtigten Kindern und Erwachsenen bewirkt. Da ist es nachvollziehbar – sogar begrüßenswert -, dass Pferde auch bei der Persönlichkeitsentwicklung eingesetzt werden. Sie können außerdem Führungsqualitäten verbessern, da die Teilnehmer auf ihre nonverbalen Führungseigenschaften (Überzeugungskraft, Körperhaltung, Selbstsicherheit, …) sensibilisiert werden. Dazu bedarf es aber einem Coach der sich mit der Materie Pferd auskennt. Dieser sollte möglicherweise eine bessere Ausbildung als 4-Stunden-„Die Pferdeprofis“-schauen aufweisen.

Bei der Suche nach so einem Coach trifft man auf außergewöhnliche Persönlichkeiten. Einige bieten ihre Seminare mit ihrem persönlichen „Seelenpferd“ an. Da werden dann 12 Teilnehmer auf ein Pferd losgelassen. Warum das Pferd bei der zweiten Hälfte der Teilnehmer stets gleich agiert? Auch Pferde haben so etwas wie Lernfähigkeit und suchen sich den Weg des geringsten Widerstands. Effektivität? Gegen Null.

Natürlich können Sie das besser machen! Buchen Sie sich einfach einen Lehrgang und lernen Sie in insgesamt 10 Stunden wie man mit 600 Kilogramm Fluchttier am Strick und einer Meute pferdeunerfahrenen Teilnehmern jede Menge Geld an einem Tag verdienen kann. Ich möchte Sie aber aus Erfahrung darauf aufmerksam machen, Ihre Versicherung im Vorhinein dahin zu überprüfen, ob fahrlässiges Verhalten mit abgedeckt ist. Nein, Pferde kann man nach so wenigen Stunden nicht „lesen lernen“ oder aufgrund ihrer Ohrausrichtung entlang des Magnetfeldes auf ihr situatives Gemüt schließen. Dazu bedarf es mehr als das Absitzen von (theoretischen) Vorträgen, denn für Pferde gibt es noch keine Bedienungsanleitung. Der Umgang mit dem Pferd birgt vielfache Risiken und Gefahren. Diese müssen minimiert werden, bevor es um die Effektivitätsbeurteilung eines solchen Trainings geht.

Liebe Trainer, bitte: Denken, Lernen, dann Handeln. Ich hoffe, meine Fußnägel wachsen wieder gesund nach.

Samstag, 2. Juli 2016

Der Spielplatz ungeahnter Eitelkeiten – Wenn Qualität flöten geht


… und alle nur betroffen, mit charmant aufgesetzten Unschuldsminen völlig überfordert, nach links, rechts, nach oben oder gleich nach tief unten schauen, um letztlich den längst überfälligen Schwarzen Peter unter Frau Immertreus lädiertes Sprungbein zu schieben. Ja dann, liebe Leute ist es mal wieder Zeit für einen ernüchternden Qualitätscheck der innerbetrieblichen Hauptzielsetzung.
Fast schon beängstigend stellen wir fest, dass wichtige Prozesse wohl mit Aufmerksamkeit bedacht, auch im Ansatz gut durchdacht werden, aber durch immer wiederkehrende, hochstilisierte Störquellen sichtlich aus der Ordnung geraten. Ein Sog aus Missgunst, falsch verstandenem Stolz und provozierten Sinnestäuschungen zieht ganze Rattenschwänze an Hemmungslosigkeit und Unverstand nach sich — schafft interessante Nebenschauplätze, welche aber wirklich rein gar nichts mehr mit der eigentlichen Firmenphilosophie zu tun haben und den kollektiven Bogen weit überspannen.

Einbahnstraße Bürokrieg? Zwiespalt führt zur traumatischen Verschlechterung der Prozessqualität und der damit verbundenen innerorganisatorischen Leistungen

Erhöhung der Effektivität, sowie der Effizienz einer Arbeit oder von Geschäftsprozessen. Schlüsselworte  und Funktion des QMs. Das klingt zunächst einmal nachvollziehbar gut.
Doch, was, wenn in der Chefetage „Zickenkrieg“, in der Zwischenablage „Tauziehen“ und in dem unteren Mittel „Zwergenaufstand“ herrschen? Verpulverte Energie und verschwendete Spucke sind es, welche zu Turbulenzen führen, die dem gesamten Unternehmen und schlussendlich auch dem Kunden schaden können. Ist es denn nicht egal, ob Herr K. jetzt ein Büro neben dem Chef bekommt und Frau O. bei einer Sitzung mal mehr zu Wort kommt als Frau F.? Müssen tatsächlich Gelder bzw. Ressourcen verschwendet werden, um das Mütchen von Chefetage, Querulanten und Co. zu kühlen? Wäre es nicht taktisch und auch menschlich gesehen wesentlich angenehmer, zudem klüger sich gemeinsam auf gewinnschöpfende Tätigkeiten zu konzentrieren, anstatt permanent mit infantilem Gehabe an der Glaubwürdigkeitsschraube des Unternehmens zu drehen?

Der Arbeitsplatz ist kein Wohlfühltempel, sondern ein Ort, wo wichtige Entscheidungen von professionellen Machern gemeinsam mit einem (wünschenswerterweise) adultem Mitarbeiterkreis getroffen und Ziele ohne „Quexit“ („Quengler setzen sich immer durch“) einheitlich stark erreicht werden dürfen.
Allen denen dies noch nicht so ganz klar ist, hilft eventuell diese Fragestellung auf die Sprünge: „Was ist der Unterschied zwischen Torpfosten und Torlatte?“ Oder noch besser: „Was war zuerst, die Henne oder das Ei?“. Solche Kopfnüsse machen bewusst, wie unsinnig und verschwenderisch es doch ist, gegen imaginäre Windmühlen antreten zu wollen.

Gute Kommunikation, Achtsamkeit und ein gut sortiertes Gemeinschaftsgefühl sind es, welche Zufriedenheit nach innen und außen schaffen und die Qualtität auf allen erdenklichen Ebenen sichern. Packen Sie es an und leben Sie das „Wir“ noch heute vor. Sie werden sehen, das Unternehmen zieht erleichtert mit — ganz ohne Groll im Schritt ;-)