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Interne Kommunikation bei IKEA: Läuft überall, nur in Deutschland nicht



IKEA macht vor, was andere Unternehmen bestenfalls auf der To-Do-Liste stehen haben: Interne Kommunikation pflegen, ausbauen und optimieren. Doch auch das schwedische Möbelhaus stößt an die Grenzen der Innovation. So wird in fast allen Ländern mit Filialen von IKEA die interne Kommunikation gepflegt wie ein kleiner Schatz. Nur Deutschland sperrt sich dagegen.

In Deutschland hat alles seine Ordnung. Und Gründlichkeit, ja, die spielt eine ganz wichtige Rolle. Einerseits.
Andererseits ist Deutschland das einzige Land, das nicht am IKEA-Modell für interne Kommunikation teilnimmt. Dabei wäre es ein Segen, sich mit eben diesem Modell zu beschäftigen und es in den Arbeitsalltag auch hierzulande zu übernehmen. Doch der gemeine Deutsche bleibt skeptisch. Und bremst aus.

Miteinander vernetzt, und das total freiwillig!

Wenn Anders Lundblad, Chef für die interne Kommunikation bei IKEA, spricht, dann fallen Begriffe wie Microsoft Sharepoint und Yammer. Letzteres ist ein Microblogger-Tool, erstgenanntes ein Hilfsmittel, um Dokumente und ähnliches intern zu teilen. Für IKEA ist die interne Kommunikation ein Hilfsmittel, um Prozesse zu optimieren, Produktivität zu erhöhen und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern. Dass für die Einführung dieser Herangehensweise nicht einmal eine interne Werbekampagne nötig war, spricht für sich. Die Mitarbeiter haben das Angebot von IKEA von Beginn an gut angenommen, sehr gut sogar. Davon sind freilich die Teams bei IKEA Deutschland weit entfernt. Und man fragt sich unweigerlich: warum?

Deutschland, das Land der Zögerer?

Innovation. Das so große Wort, das zuweilen doch sehr inflationär angewendet wird, bedeutet genau genommen nichts Anderes als „Neuerung“ oder „Erneuerung“. Und hier scheint schon das deutsche Kernproblem zu liegen. Wenn man bedenkt, dass die interne Kommunikation bei IKEA in allen anderen Ländern reibungslos funktioniert, hier aber noch nicht einmal ausprobiert wird, kann man zu kaum einem anderen Schluss kommen, als sei alles, was Veränderungen mit sich bringt, etwas, das um jeden Preis verhindert werden muss.
Doch vielleicht ist es auch die Furcht vor „Spielereien“, die die deutschen Unternehmer antreibt. Yammer ist durchaus vergleichbar mit Facebook, und bekanntlich wird diese Seite vornehmlich für Freizeitaktivitäten genutzt. Doch ein Blick in andere IKEA-Länder macht deutlich, dass weder Fleiß noch Produktivität noch Motivation unter der internen Plattform leiden. Außerdem sieht Anders Lundblad das eher entspannt, was folgendes Zitat unterstreicht: „Ich wette, auf IKEA Yammer gibt es zum Beispiel eine Bruce Springsteen Gruppe. Wir schreiben den Mitarbeitern nicht vor, dass sie sich nur über arbeitsrelevante Themen austauschen dürfen. Wie wir feststellen können, reden sie aber letztlich vor allem über die Arbeit. Und auch ein bisschen über Privates. Aber das tun sie ja auch in der Kaffeepause während der Arbeitszeit.“
Das Beispiel Bruce Springsteen zeigt, dass man sich nicht wirklich fürchten muss. Vielmehr muss ein soziales Firmennetzwerk so gestaltet werden, dass es einen echten Mehrwert bringt. Das gelingt ganz offenkundig überall, nur in Deutschland nicht. Einfach, weil es nicht genutzt wird.

Deutschland, das Land der Sittenwächter

In Deutschland wird dem Datenschutz oberste Priorität eingeräumt. Wir haben Datenschutzbeauftragte, befassen uns medial regelmäßig mit der Sicherung von Daten, E-Mailverschlüsselung ist ein Thema. Wird irgendwo ein Datenleck entdeckt, ist die Aufregung groß, das Geschrei nach mehr Sicherheit wird noch lauter, als es eh schon ist.
Im Grunde könnte man nun sagen, dass diese Herangehensweise überaus löblich ist. Könnte man, wäre da nicht ein gravierender Widerspruch. Denn während wir uns auf der einen Seite als Sittenwächter für Datensicherheit aufspielen, nutzen wir auf der anderen Seite sorglos und fast schon naiv Facebook, surfen (womöglich sogar eingeloggt) mit Google durchs Netz und wissen spätestens seit den Enthüllungen von Edward Snowden, dass unsere Mails mit der größten Wahrscheinlichkeit abgefangen, gelesen und ausgewertet werden. An unserem Verhalten im Netz ändert das jedoch nur wenig. Oder kennen Sie jemanden, dass – sicher ist sicher – Facebook oder Google nicht nutzt? Verschlüsseln Sie Ihre Mails? Und wie sicher sind Ihre Passwörter, wenn Sie sich irgendwo einloggen, zum Beispiel beim Internet-Banking?
Kurzum: Die Argumentation der Datensicherheit oder der Schutz der Privatsphäre sind stumpfe Schwerter, wenn man gegen die interne Kommunikation von IKEA argumentieren will.

Der Zug fährt auch ohne uns weiter …

Machen wir uns nichts vor: Die digitale Vernetzung ist fester Bestandteil unseres Alltags, auch und gerade immer stärker des beruflichen Alltags. Im Zeitalter kurzer Produktionszyklen, rekordverdächtiger Lieferzeiten und hoher Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen, wird jedes Unternehmen, das auf Digitalisierung verzichtet, das Nachsehen haben. Das gilt im Übrigen auch für die (interne) Kommunikation.
Im Umkehrschluss bedeutet das nicht, dass man sich den Gefahren des Netzes und der Digitalisierung vollständig ausliefern muss. Selbstverständlich ist es löblich und sinnvoll, sich gegen Lecks, Angriffe und Schadsoftware zu schützen. Und natürlich ist es ratsam, sich die Aktivitäten der Mitarbeiter genau anzuschauen, wenn man sich entschlossen hat, neue Methoden und Werkzeuge anzuwenden.
Doch es geht darum, einen erfolgreichen und effizienten Mittelweg zu finden, der das Sicherheitsbedürfnis ebenso zufriedenstellt wie die Tatsache, dass die Anforderungen ständig wachsen.       
Sonst fährt der Zug eben ohne uns weiter. Und zwar mit einem rasanten Tempo.


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