Zwischen Erfolg im Management und Formen der Egomanie gibt es einen engen Zusammenhang: in Gestalt der positiv-narzisstischen Führungspersönlichkeit, die produktive Resultate erbringt, und in Gestalt des Psychopathen, der Macht und Einfluss missbraucht.

Eine narzisstische Führungskraft strahlt Souveränität aus, ist charismatisch und auf den ersten Blick höchst kompetent. Doch sie hat auch ihre Schattenseiten. Sie ist nicht kritikfähig und wird eher die Schuld an einem Fehler oder einem gescheiterten Projekt auf Sie schieben, als es zuzulassen, dass ihre Fassade Risse abbekommt.

Diese Chefs bevorzugen als Mitarbeiter Ja-Sager. Sie sollen dem Chef Bewunderung zollen und ein hohes Maß an Unterwürfigkeit bis Kriecherei aufweisen. Die Neigung der narzisstischen Führungskraft, mehr oder weniger bewusste Neidgefühle gegenüber Mitarbeitern zu entwickeln, erschwert das Arbeitsklima noch zusätzlich. Gefährlich wird es. wenn ein Mitarbeiter zeigt, dass er dem Chef an Kompetenz ebenbürtig ist. Dann ist es vorbei mit der Liebe untereinander. Der Mitarbeiter wird vor den Kollegen bloßgestellt, degradiert und niedergemacht. Konflikte mit einem narzisstischen Chef können schneller zu einem Ende der Karrierelaufbahn in seiner Firma führen, als Ihnen lieb ist.

Doch eine narzisstische Führungskraft hat nicht nur Schattenseiten. Auf das richtige Maß kommt es an. Im Leben geht es nicht ohne ein gewisses Maß an Selbstliebe, besonders nicht in dem einer Führungskraft: Ein hohes Selbstwertgefühl, eine Begabung für eindrucksvolle Repräsentation und schauspielerische Selbstdarstellung verleihen Führungspersönlichkeiten einen besonderen Glanz und unterstützen sie dabei, wichtige Entscheidungen im Sinne des Unternehmens zu fällen. 
Zahlreiche aktuelle Fallstudien belegen den bislang kaum untersuchten Zusammenhang von Führung, Macht, Charisma, Machiavellismus und Narzissmus in Wirtschaft und Politik.

Im Allgemeinen ist die narzisstische Führungskraft dann am erfolgreichsten, wenn es gilt, ein Unternehmen, das in einer massiven Krise steckt, grundlegend umzugestalten. Dies schafft eine Führungskraft die nur auf Harmonie besonnen ist nicht. Das Leben ist schließlich kein Ponyhof.

In einer erfolgreichen Führungsetage geht es folglich nicht immer nur um Liebe. Auch zunächst als negativ eingestufte Attribute können den Unternehmenserfolg weitreichend verbessern.